Spaso Berak

 Spasoje Spaso Berak wurde am 09. Februar 1938 in Mostar in die Familie von Đorđe und Ilinka Berak hineingeboren. Seine Mutter sang sehr schön, der Vater war Maschinenführer und sang ebenfalls, nebenher spielte er Gusla (Streichinstrument). Im Alter von nur 3 Jahren war er zusammen mit der Mutter und den Schwestern 1941 in einem Lager in Caprak bei Sisak (Kroatien). Dort verbrachten sie vier Jahre, sein Vater wurde in Jasenovac ermordet.

Seine älteste Schwester Marija sang im Chor des Kulturvereins „Abrašević“ , die jüngere Zora spielte Gitarre und tanzte im Folklorebereich des Kulturvereins. In so einer musikalischen Familie war es natürlich, dass Spaso, als jüngster, sich auch mit der Musik beschäftigt. Am 5. September 1948, im Alter von 10 Jahren, begann seine Reise in die Welt der Musik des Kulturvereins „Abrašević“ und das erste Instrument, an dem er sich erprobte, war Mandoline. Eine Schwester spielte Bugarija, die andere Gitarre und er, als der Talentierteste und Beste der Dreien, lehrte die beiden und brachte sich gleichzeitig selbst bei, auch andere Streichinstrumente zu spielen.

Die Grundschule absolvierte er in Mostar, wo er unter anderem auch Mitglied des Streichorchesters war, später auch Leiter des jungen Streichorchesters des Kulturvereins „Abrašević“.

Seinen schulischen Werdegang setzte er fort an der Mittelschule für Musik in Dubrovnik in der Klasse des Professors Padovan, welcher ihn an der Klarinette unterrichtete. Seine Schulkameradin war Tereza Kesovija, die damals die Flöte spielte. 

Diese Ausbildung brach er ab, absolvierte stattdessen  eine an der Technischen Schule in Mostar.

Die Familie war arm, also musste er Geld in verschiedenen Bars und bei Feierlichkeiten verdienen.

1960 kommt er als Stipendiat des Veteranenvereins Mostar’s  nach Sarajevo, wo er seine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule anfängt. Leiter des Lehrstuhls war der berühmte Komponist Milan Prebanda. Das Stipendium war nicht ausreichend, sodass er nebenher Geld mit dem Musizieren in verschieden Restaurants und Vereinsheimen verdiente, wobei er Ismet Alajbegović Šerbo kennenlernte. 1960 lädt dieser Spaso ein, in seinem 1961 gegründeten Orchester mitzuspielen. Anfangs agierte  das Orchester auf Honorarbasis und ab 1963 als ständige Mitarbeiter des Radio Sarajevo. Somit war Spaso von Anfang an Mitglied des Radio Sarajevo Orchesters.

Sein Arbeitsplatz beim Radio Sarajevo war als Solist an der Klarinette bei Musikproduktionen, aber als richtiger Profi und erstklassiger Tambura-Spieler spielte er nach Bedarf auch im Tambura-Orchester.

Der erste schriftliche Nachweis seiner Arrangements datiert aus dem Jahr 1953 als er  Leiter des Tambura-Orchesters „Vladimir Nazor“ in Vrapčići bei Mostar war. 

Bei Radio Sarajevo entwickelt sich sein Talent als Arrangeur und sein Entdeckergeist bis zur Vollkommenheit. 

Er schreibt Arrangements, komponiert auf der Basis traditioneller Musik, überarbeitet  traditionelle Gesänge, kooperiert mit Sängern, kurz gesagt, er macht alles..

Als Šerbo 1985 in die Rente geht, wird Spaso zum Produzenten Nummer eins für den Bereich Volksmusik beim Rundfunk Sarajevo und produziert mit Volks- und Tambura-Orchestern in zwei Studios. Parallel zur professionellen Arbeit pflegte er auch die Amateurarbeit. Er arbeitete mit fast allen Kulturvereinen in Sarajevo und Umgebung zusammen und leitete diverse Tambura- und Volksorchester, Chöre und Vokalgruppen, wo er talentierte Musiker und Sänger entdeckte, welche später verschiedene Aufnahmen für das Archiv der Sarajevo Rundfunk machten. 

Der Amateurarbeit blieb er bis zum Lebensende treu, die letzten Kulturvereine, in denen er wirkte, waren „Saobraćajac“ und „Željezničar“.

Vom Verband der Kulturvereine wurde er als Akkordeon- und Gitarrenlehrer nach Olovo und Kakanj entsandt. Dies waren gleichzeitig auch Anfänge des Musizierens in diesen Gegenden. Er brachte vielen jungen Menschen die Musik nahe, wobei insbesondere  Ezher Helja aus Kakanj zu erwähnen ist. Anfangs spielte er Akkordeon und ist heute Klarinettist im Orchester des bosnischen Staatsrundfunks. Einer seiner Schüler war auch Slobodan Bodo Kovačević, der berühmte Gitarrist der Rockgruppe Indexi.

 Er arbeitete mit vielen Sängerinnen und Sängern Jugoslawiens zusammen, besondere Freundschaft verband ihn mit mit Safet Isović, Zekerijah Đezić, Himzo Polovina, Zora Dubljević..Mit Himzo Polovina nahm er die meisten LP’s auf. 

Charakteristisch für jene Zeiten waren die Freundschaften und gemeinsame Unternehmungen, welches sich auch im Serial „Sevdah reist durch Europa“ widerspiegelten. Bei diesen Konzerten legte man besonderen Wert auf Sevdalinka (Sevdah-Lieder) und traditionelle Tänze, kurzgefasst auf das kulturelle Erbe Bosnien-Herzegowinas.

 In den achtziger Jahren kam er auf die Idee, all seine entstandenen Schriften in ein Programm zur Revitalisierung des städtischen und dörflichen Kulturerbes Bosnien und Herzegowinas einzugliedern. Mit Vehid Gunić arbeitete er als Musikredakteur und ausführender Produzent an der Kultsendung „Meraklije“ des TV Sarajevo. In dieser Sendereihe wurden viele Lieder zum ersten Mal besungen, die ohne Spaso in Vergessenheit geraten wären.  Einige dieser Lieder, denen Spaso als Autor der Melodie oder des Arrangements neues Leben eingehaucht hat, sind: „Majka Fatu rano budi“, „Podaj mene u Sarajvo majko“, „Haj da sam bogdo rumena ružica“, „Umihana Hadži- Jusufova“, „Sinja magla po haz bašči pala“, „Da sam Bogdo djevojka na namu“, „Kad izgorje šeher Sarajevo“, „Sjećaš li se djevo bajna“, „Djevojka je zelen bor sadila“, „Hvalio se žuti limun“, „Vino pije Vilić Huseine“, „Što se ono gusta magla pokraj Une spustila“, „Star se Čurćić pomamio“…

Er setzte sich für die Textkorrekturen von Sevdah-Lieder ein, damit sie authentisch gehalten werden konnten. („Madžarijo sjajna li si“, „Ko se ono drumom šeće“, „Drijemaš li kćerko“)…

Sein Beitrag für den Erhalt und Promotion insbesondere unserer Sevdalinka ist unermesslich wichtig.

 Wenn es um Volksmusikfestivals geht, hat er auch dort einen sehr großen Beitrag geleistet. Seine Kompositionen und Arrangements wurden bei dem Ilidža, Vogošća, Belgrader Festival, sowie dem Festival in Paris im Jahr 1975 aufgeführt. 

Er arbeitete zudem mit Musikverlagen aus Sarajevo (Diskoton), Aranđelovac (Doskos) und Belgrad (Beograd disk) zusammen. Ihm ist es zu verdanken, dass zahlreiche Archivaufnahmen des Sarajevo Rundfunks ihren Weg in die Diskografie gefunden haben.

 Während der Kriegsjahre war er Ideengeber und Fürsprecher eines Musikprogrammes im bosnischen Staatsrundfunk. In den für Sarajevo schwersten Jahren (1992-1996) war er einer der Initiatoren des SAREST (Sarajevska ratna estrada) – Sarajevos Kriegs- (Musik-)Szene. Eines der schönsten Lieder aus dieser Zeit, für welches er die Musik und das Arrangement machte, ist das Lied „Kovači“, basierend auf den Versen von Džemaludin Latić, eingesungen von Zehra Deović. Er schrieb das Arrangement zu dem  Lied „Baščaršijo moja ranjena“ das von seiner Ehefrau Ljubica Berak komponiert und aufgenommen wurde … und viele andere…

Für die CD „U Zvorniku gradu“, welche 2010 von MPBHRT anlässlich der 600-Jahre-Feier der ersten schriftlichen Erwähnung der Stadt Zvornik veröffentlicht wurde, war er Aufnahmeproduzent und Autor der Musik und der Arrangements für einige der 13 Sevdah-Lieder.

Bisher wurde die genaue Anzahl der Lieder, für welche Spaso Berak die Musik, das Arrangement schrieb, sowie der Volkslieder und –tänze, an denen er wirkte, nicht festgestellt. Laut seinem dem Radiosender BH Radio 1 gegebenen Interview befinden sich in seiner Sammlung über 30 000 Schriften.

Dies ist eine wahre Schatzgrube, die jahrelang eine Quelle zum Forschen bieten wird. Das Interesse der Musikstudenten für diese Werke ist enorm und es bleibt an seiner Frau Ljubica (namhafte Interpretin der Volksmusik), seiner Tochter Aleksandra (Klavierlehrerin in Foča) und seinem Sohn Đorđe (Professor für Violine in Ljubljana) sie für andere potentielle Forscher zugänglich zu machen.

Spaso Berak starb in Sarajevo am 24.02.2013, begraben wurde er am 26.02.2013 auf dem Friedhof „Donji MIljevići“ bei Sarajevo.

 (Sarajevo, im Büro des Musik Programms BH Radio 1 von Ljubica Berak, aufgezeichnet durch Enisa Hajdarević-Šojko 21.02.2018)

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