Himzo Polovina

Dr. Himzo Polovina, geboren am 11. März 1927, war ein bekannter bosnisch-herzegowinischer Gedichtesammler, Interpret, Textschreiber, Komponist, Poet und Facharzt der Neuropsychiatrie.
Viele betrachten ihn als den prominentesten Sänger und Sammler der Sevdalinka-Lieder aller Zeiten. Polovina’s Sammlungen und seine Interpretationen des altstädtischen Liedes werden als authentisches musikalisches Erbe Bosnien-Herzegowinas angesehen. Sein tiefes Verständnis und sein Kennen des Sevdalinka-Geistes hat große Spuren in der bosnischen Kultur hinterlassen.

Als Junge erwarb er seine ersten Musikkenntnisse von seinem musikalischen Vater Mušan, der sehr gut die Sargija (Langhalslaute) spielte. Vater Mušan mochte den Gesang und so reihte er Himzo mit seinen Brüdern und Schwestern vor sich und forderte sie auf gleichstimmig zu singen. Er ermunterte sie oft, sich der muslimischen Vereinigung “ITIHAD” anzuschließen.

Neben bedeutenden Teilnahmen der Theatergruppe der M.V. “ITIHAD” hat er dort auch seine Rezitierkenntnisse perfektioniert. Das war zwischen 1935 und 1940. Unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg nahm er Geigenunterricht beim berühmten Professor und Meister des Violinspiels tschechischer Herkunft Karl Malacek.

Er war Mitglied des Folklore-Ensembles RKUD “Abrašević”, von 1947 bis zu seinem Umzug nach Sarajevo. Mit dem genannten Ensemble geht er auf Tour durch Dörfer und Städte des ehemaligen Jugoslawien. Er mochte die prunkvollen Volkstrachten und zog sie oft bei öffentlichen Auftritten als Sänger an.

Im Jahr 1950 war er als Medizinstudent Mitglied der Studentischen Kulturellen Vereinigung “Slobodan Princip – Seljo”, tritt jedoch auch mit den Vereinen KUD “Ivo Lola Ribar”, KUD “Proleter”, ZKUD “Vaso Miskin – Crni”, KUD “Miljenko Cvitković”, ebenso für Amateurvereine, welche den Schwerpunkt auf musikalisch-multiethnische Programme legten.

Parallel zu seiner Karriere als Sänger schließt er sein Medizinstudium ab und wird Facharzt – Neuropsychiater. In der Praxis wendet er erfolgreich Methoden der Psychiatrie, Soziotherapie und der Musiktherapie an. Dem engen Kreis der Fachmediziner sind seine wissenschaftlichen Arbeiten der genannten Bereichen aus fachlichen Publikationen bekannt. Er war geschätzter Arzt in der Klinik für mentale Rehabilitation Jagomir in Sarajevo.

Trotz seines Sprachfehlers bei der Aussprache des Lautes “r” gelang es ihm, die Musikexperten mit dem Lied “Mehmeda je stara majka karala” (in dem das “r” nur zweimal vorkommt) aufs Korn zu nehmen. Damals sang man beim Radio Sarajevo live. Das war im Januar 1953 als ihn die Kollegen dazu überredeten, sich zum Vorsingen anzumelden. Er wurde genommen und es wurden ihm hervorragende Fachleute aus der Musikbranche zur Seite gestellt, die sich darum kümmerten, aus Himzo einen erfolgreichen Künstler zu machen.
Himzo Polovina hatte eine dreißigjährige Karriere als Sänger. Er trat im In- und Ausland auf und trug den Ruhm des Volksliedes hinaus, insbesondere der Sevdalinka. Er nahm an die zwanzig Schallplatten auf, die millionenfache Auflagen erreichten, so wie einige Audio-Kassetten von hohem musikalischen Wert. Er machte einige Archiv-Aufnahmen für Radio Sarajevo. Oft trat er bei Veranstaltungen mit wohltätigen Charakter auf, in Krankenhäusern, Altersheimen, Waisenhäusern, Selbsthilfegruppen für Alkoholiker usw.

Polovina legte wegen Missverständnissen mit den Verantwortlichen bei Radio Sarajevo dort eine fünfjährige Pause ein. Den Zuhörern fehlte in dieser Zeit Himzo Polovina sehr. Sie verlangten nach ihm und sie richteten Beschwerden an Radio Sarajevo. Bei Radio Sarajevo behaupteten sie, dass die Gesangsart von Himzo Polovina nicht dem Konzept und dem Stil, den sie dort pflegten, entsprechen würde. Zwischenzeitlich, bewertet eine Bundesjury für Gesang des Volksliedes Himzo Polovina mit Höchstnoten, insbesondere seinen Stil und seine Affinität gegenüber hohem ästhetischen Wert des Inhalts des Liedes hervorhebend. Sowohl die Jury, als auch die Zuhörer waren beeindruckt, als Himzo, so wie nur er es kann, leise und gefühlvoll anstimmte: Nevjera je tuga golema na srcu…

Himzo sang nahezu in jeder Stadt Bosnien-Herzegowinas, über die schöne Stadt Višegrad, über das Entstehen Banja Luka’s, über Saraj Bosna – Sarajevo, dem wunderbaren Ort, über Tuzla, die von der Schlange umschlungen war, über die Baudenkmäler, die Mehmed Pascha Sokolović in Bosnien errichtete…

Nach seinem letzten Konzert verstarb er in Plav (Montenegro) am 05. August 1986, als Folge eines Herzinfarktes. Nach Aussage seines Bruders Mirza Polovina war das letzte Lied, das er sang “Emina”. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof Bare in Sarajevo.

Nach dem Tod wird sein musikalisches Werk noch populärer, viele Radiosender und Produktionshäuser nehmen seine Lieder erneut auf und spielen sie.

Er war mit Fikreta Medošević verheiratet. Gemeinsam haben sie Tochter Rubina und Sohn Edmir.

Für seine Kunst erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter: den Musikpreis Bosnien-Herzegowinas und des ehemaligen Jugoslawiens. Seine Vitrinen zieren silberne, goldene und diamantene Schallplatten, Auszeichnungen und viele Ehrungen, die er während seines Lebens erhielt.

DISKOGRAFIE

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